Gejagte Kinder

Im Norden Albaniens hat eine alte Tradition überlebt. Der Kanun - das Gesetz der Berge - regelt unter anderem auch die Blutrache. Eine Blutfehde zieht sich oft durch mehrere Generationen. Ein nicht enden wollender Kreislauf, in dem Täter zu Opfern werden und umgekehrt. Zur Wiederher- stellung der Ehre muss getötet werden. Besonders die Kinder und Jugendlichen leiden unter der Tradition. Als Unschuldige geraten sie mit ins Visier der Rächer. Aus Angst vor den Tätern müssen sie sich in ihren Häusern verstecken. Das eigene Haus gilt als Schutzraum. So leben die Kinder oft jahrelang in der Isolation, können nicht die Schule besuchen und keine Freunde treffen. Bei den Beitrittsverhandlungen Albaniens zur EU ist auch immer wieder die Blutrache ein kritisches Thema.